Spätsommer.

Wir sind gerade mitten im Gewitter: Der Donner wirft sich wild hin und her im Tal, Blitze und Wind wirbeln den Himmel durcheinander, als wolle der Sturm die Bühne ganz für sich haben. Die Vorstellung aber wird jäh durch Klingeln an der Tür unterbrochen: Endlich hat die Frau unseres Freundes, C., den Weg gefunden. Sie ist gleich unverkennbar. Entschuldigend sieht sie uns an, Fluten rinnen vom Mantel auf die Stufen. Auch L. hat sie schon erspäht, eilt durch Regen und Hagel den Hang hinab. Wir trocknen das stille Glück am Ofen. Sie ist stumm, was praktisch ist, da muss man keinen Dialog erfinden für Dinge, die unaussprechlich sind.

Der Morgen dann ist reingewaschen. Man kann bekanntlich nicht jahrlang im Moos liegen. Also gehe ich hinüber, die Dinge der Stadt zu tun. Unter den Menschen ist man im Grunde unsichtbar. Hier weicht einem jeder Blick aus, man geht an den Augen der anderen ohne Widerstand vorbei. Du könntest direkt im Kopfsteinpflaster verschwinden, ohne Argwohn zu erregen. Ich treffe C., wir müssen zum Amt, ihre Existenz bestätigen, was nach misstrauischen, aber gleichgültigen Fragen, Stempeln, Unterschriften, Versicherungen und Bezeugungen schließlich gelingt. Lächelnd und fast ein wenig zärtlich trägt sie die Papiere im Arm.

Ich begleite ihr neu gewonnenes Dasein zurück zur Hütte, die mein Freund im Wald bewohnt. Hier dreht sich jeder Schnabel und jede Schnauze nach dir um, es ruft und warnt und huscht und schimpft. Sie freuen sich über die Papiere und reichen einander feierlich die Hände. Ich klopfe den Staub von der Hose und lasse die beiden alleine. Die Kiefern schreien. Es riecht nach Harz. Mein Weg endet unversehens auf einer Lichtung. Im Schatten unter einer Kastanie verschwinde ich, die Hitze macht mich überflüssig. Ich gebe mich geschlagen und schließe die Augen, Licht flimmert durch die Lider: Jemand bringt die Sonne zum Stehen und füttert sie mit Speck und Maden.