Entschuldigung.

Belämmert, die sind doch alle belämmert, wie Schafe auf der Weide, die vor sich hin blöken: Mäh, mäh, mäh. Also ich hab ja keine Zeit, einfach mal so aufs Land zu fahren, aber das ist es doch, was auf den Schafwiesen vor sich geht, man steht rum, glotzt, blökt. Einer muss es sagen, ich tue es, die, die was anderes sagen, sind doch alle belämmert. Wir wollen das bloß nicht sehen, dabei sind das Tiere, ich habe die Augen eines Adlers, mir entgeht nichts. Die werden hier alles abgrasen, wenn man nichts unternimmt. Gewalt ist nicht meine Welt, aber man wird sich wohl noch wehren dürfen, nicht meine Schuld, dass die anderen solche Opfer sind und nicht handeln wollen. 

So Suaden sind sonst natürlich gar nicht meine Sache, aber man zwingt uns doch dazu. Ich hab da viel drüber nachgedacht und die bringen mich noch um meinen sauer verdienten Schlaf, nicht mal vor meinen Träumen machen sie Halt, vor nichts schrecken die zurück, aber nicht mit mir. Sogar wenn ich nur den Rasen mähe, stehen welche von denen am Zaun und gucken blöde und wenn es dann knallt, sich auch noch beklagen. Wir können nichts anders, als die Messer wetzen, wir schlagen zurück, jetzt ist Schluss, freie Fahrt für freie Bürger und damit Ende.

Als der Herr kurz Atem holte, konnte ich mich endlich mit einem freundlichen Handschlag verabschieden. Er rollte sein Transparent ein, verstaute es sorgfältig in der Aktentasche, lüftete den Hut kurz zum Gruß, tippte sich verschwörerisch an die Hakennase, indem er zum Himmel zeigte, und stieg dann in die Straßenbahn ein. Ich hatte ihn nach dem Weg fragen wollen, weil ich mich in der Stadt verirrt hatte. Seine Erklärungen waren mir, überstürzt und zu undeutlich hatte er geredet, unverständlich geblieben, doch solange hatte ich mich jetzt schon durchgeschlagen, an die Sprache würde ich mich auch noch gewöhnen, dachte ich, als ich den Sternen nach, die kühl und unverrückbar glänzten, weiter durch die Nacht lief.

entschuldigung

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Ein Kommentar zu “Entschuldigung.

  1. Ich weiß ja nicht was der Herr für persönliche Erfahrungen gemacht hat, aber die Schafe meiner Eltern haben gefressen und verdaut und wieder auf den nächsten Tag auf der Weide gewartet. Zum blöken blieb da kaum Zeit, außer zur Begrüßung am Morgen ;-)

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