Kriegsvorbereitungen auf dem Lande.

Als wir in das Haus eingefallen waren, hatten wir es blank geputzt und bis aufs Mark ausgeräumt vorgefunden. Die Fliesen speckig poliert, die Fenster glänzten, als sei kein einziger Blick hindurch gedrungen, der das Glas hätte trüben können. Alle Spuren der Vorbesitzer waren restlos getilgt. Wir beeilten uns, die Habe zu verteilen, trugen emsig Schmutz an unseren Füßen hinein, um diesen furchtbaren Zustand rasch zu überwinden. Ich ramme meine Flagge in die Auffahrt, wir schmieren unsere Namen an die Tür. Diesen Fleck reklamieren wir für uns.

Die Luft ist gleißend, das Tal flimmert in weiter Ferne. Nichts stört die Stille, nur manchmal rasen Kampfjets in unlesbaren Formationen knapp über unser Dach hinweg, nur um hinter den Hügeln zu verschwinden. Ich bin rastlos, die Hitze verwandelt jeden menschlichen Gedanken sogleich ins Menschenunmögliche. Tausend Dinge sind zu tun, die alle geisterhaft verwehen. Die Erde ist Staub. Es ist nicht die Zeit, Bäume zu pflanzen. Ich ackere mich ab, wühle, hin und her, den Boden auf. Keine Stelle will ich unversehrt lassen. Die Dornenhecken reißen mir die Hände auf, gefurcht werden sie vom Dreck und gespickt mit Rissen, die zu kleinen weißen Narben heilen. Halb blind von der Sonne arbeite ich wie in Scheinwut vor mich hin. Ich verseuche die Moskitos mit meinem Blut.

So also mache ich meinen Frieden mit der Welt und baue eine Burg. In den Mauern werde ich endlich frei sein. Ich repariere das Schloss der eingetretenen Tür. Ich schlage die Wand im Erdgeschoss mit einem Vorschlaghammer heraus. Staub und Putz verteilen sich auf dem Boden bis hin in die letzte Ritze. Der Bau geht gut voran. Wir sammeln Feldsteine am Hang, plündern die Einfassungen der Weinberge. Ich schichte mannshoch die Steine auf, mit Scharten dazwischen. M. hebt derweil den Graben aus. Die Befestigungen wachsen. Ich will eine Bleibe für die Ewigkeit schaffen.

Irgendwann bleibt nichts, als auf den großen Regen, der uns abschirmen wird von der Welt, zu warten, während wir drinnen kauern, feucht und warm. Hält man aber einmal in der Arbeit inne, und hört das fröhliche Rufen wie Hämmern den Hang hinaufwehen, dann kann es einen beim Gedanken schaudern, dass es andere Gemeinschaften gibt, dass Kriege geführt und Ehen geschlossen werden mit der größten Selbstverständlichkeit, wie sie sonst doch nur den Insekten eigen ist, die durstig ausschwärmen. Ich kratzte die Stiche auf, ich markiere den Boden mit meinem Blut. Nichts belästigt weniger, als sein eigener Nachbar zu sein. Niemand wird nach mir je hier wohnen können.

kriegsvorbereitungen

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