Brausen.

Niemals wieder fürchte ich den Wald, ich verliere mich den Dagesbach entlang Richtung Lobenfeld. Ein paar Bäume sind stehen geblieben, genug gerade, um ahnen zu können, wo die Wege verlaufen. Ich lese Himmelszeichen von der Rinde. Dann stehen die Fichten dicht an dicht ohne auszuweichen. Siebenschläfer blinzeln kurz in die Wipfel, lehnen sich in den Schlaf zurück. Alles steht eingepfählt an seinem Platz. Und ich verwünsche die Wanderer, die sorgsam gestapelten Stämme, den Kiesweg, das Geräusch der Straße drunten.

wald

Alte Hohlwege schließlich beim Galgenbuckel, Nächstenwingert, Heidenknörzel zum Fluss hin. Der Wald wird lichter, gewaltige Kronen überschatten Schößlinge, Sträucher und Farn. Wind kommt auf, Regen löst sich aus den Wolken, zögernd erst, dann ohne Halten. Das Moos saugt sich voll mit Wasser, alles trinkt. Ich warte im Schutz von Ruinen, doch Stein um Stein ist abgetragen, den Berg hinab, rutschende Hänge zu stützen, Inschriften lassen sich tasten. Langsamer fällt bald der Regen. Es dampft der Boden, tropft von den Blättern, ich breche auf.

Weiter über Klauerwiesen und Wasserschachtel. Tiefer im Wald liegt ein Riff auf der Lichtung, von Flechten umgarnt, die im blauen Licht schwimmen. Tiere nisten in den Wunden, Harz tropft. Alles bewegt sich, braun weht das Laub, Käfer krabbeln, Fell flitzt, nichts bleibt an seinem Ort, alles wird vertragen, vergraben, versteckt, vergessen. Im Schatten einer Suhle lasse ich mich nieder. Vielleicht kommt bald ein Mastjahr, mit Bucheckern, Eicheln, Zapfen satt. Jetzt aber trocknet die Erde, Wurzeln krachen, es gilt im Hunger auszuharren, alles kann sich wenden.

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