Gespräch mit dem geschwätzigen Nachtgeist.

Dann lass uns doch über das nächste beste reden.

Wenn du den Schutt wegwälzt, stehen die Fenster des Himmels offen.

Können wir nicht bitte Prosa reden?

Eben waren wir Vögel: und jetzt willst du, dass wir prosaisch werden? So geradeaus, so Stirn in Stirn – ist man das nicht nur, solang man in den Windungen Leib in Leib liegt?

In Versen aber versteh ich kaum, was du unbündig sagst.

Wie aber könnt ich anders reden? Kann ich doch nicht entscheiden, was von dem tausenden zu sagen wäre. Ich müsste vieles zugleich aussprechen: dass ich dich fühle, vermisse, liebe, fürchte, dass ich dir nahe bin und zugleich fern, wie im blauen Doppeldort, wo man an zwei Orten zugleich ist: im Himmel. – Einen ganzen Turm an Worten würde das geben, was ich sagen müsste, aus lauter scheinbar nicht zueinander passenden Teilen gestapelt. Wenn ich anfange zu sprechen, nimmt es kein Ende, bis der gehäufte Stein schließlich an die Wolken stößt.

Es ist furchbar, einander wieder nur wie sporadisch zu verstehen.

Ja, wie von einer abgelegenen Insel vertrieben, haben wir in dieser stillen Stunde bloß Schutt aufgehäuft, anstatt ans nächste beste uns zu halten.

Dann will ich lieber meine Augen schließen; die Lider sind wie schwer vom Geröll der Sterne. — Und ist das All nicht fremd und liebenswürdig? Wir werden gewiss bis zum ersten Licht tief schlafen.

Zur rechten Zeit werden sich die Augen schon wieder auftun. Wenn der Himmel sich auf sie senkt. Dann werden wir wissen, was das nächste beste ist: wenn wir einander nur ansehen.

kircher_091

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4 Kommentare zu “Gespräch mit dem geschwätzigen Nachtgeist.

  1. „Kann ich doch nicht entscheiden, was von dem tausenden zu sagen wäre. Ich müsste vieles zugleich aussprechen: dass ich dich fühle, vermisse, liebe, fürchte, dass ich dir nahe bin und zugleich fern, wie im blauen Doppeldort, wo man an zwei Orten zugleich ist: im Himmel.“

    Wunderschön. Und wie gut ich das Gefühl kenne, wenn einfach Worte nicht ausreichen, um auszudrücken, was man empfindet.

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