Hungerschlaf.

Wenn ich dann wieder, nach einem endlosen Wintertag, im Königswasser bade, wenn die Wärme meinen Körper flutet, wundere ich mich, wie wäre es, jetzt endlich Ernst zu machen – was will ich schon, als nur stundenlang am Fluss entlang zu gehen, dem braunen Wasser, den Weiden – wie wäre es, die Last des Alltags endlich zu scheiden von jener lichten Schwerelosigkeit, Glitter und Tand von dem, was das Wirkliche heißt – und einmal dieses ewige Verklammen, das fahle Träumen ganz zu lösen –

Wie wäre es, wahrhaft wach zu sein – und ganz in dieser zweiten Welt zu wohnen, wo man das Füllhorn einmal ganz ausschütten könnte – wo ich endlich meiner Existenz die Krone aufzusetzen wage, um zu sein, was ich hier niemals sein kann – wie ein Schauspieler, der leichtfüßig die Probe verlässt – diese Welt, wo mir das Herz schlägt bis zum Hals, wo ich bei dir bin, satt und voll von Licht, wo selbst die vierte Wand noch eingeschlagen ist – wo kein Zaudern, kein Zögern auf Parkett und Bühne –

Noch aber nichts als Hunger, Nieselregen, stapfst du alleine durch den Schlamm, rauchen die Feuer des Februars grau am Weg – und das Badewasser läuft ab, zieht dir gleichgültig das Blut aus den Fasern, Hunger und Schwere – wie aber wäre es, schwerelos, der Vorhang selbst zu sein, irgendwann, doch wohin, gehoben zu werden, zu schweben – und ich taste dann mit goldenen Händen deinen dunklen Schlaf, zu dem, was mich forttreibt, einmal noch den braunen Fluss entlang und Weiden in der Dämmerung –

hungerschlaf

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