Paul Fehm präsentiert am 7. Juni im DAI Heidelberg: Hannes W. Leydn

mir geht ihr summen nicht mehr aus dem sinn
es ist auch weniger ein summen · mehr ein singen (…)

Aufgewachsen im pfälzischen Haßloch, studiert, im mittleren Management gelandet. Wie das alles geschehen konnte, weiß ich auch nicht. Ich versuche, mir darüber schreibend klar zu werden.

Wo beginnen? In Haßloch vielleicht, das unwirtlichste Nest der Pfalz, gelegen inmitten von Gemüseäckern, das Augustin als Kind bereits beargwöhnte. Nicht weil die Menschen boshaft waren, sondern weil auch sie ergeben wie im Stumpfsinn lebten, in einem bewundernswerten Stumpfsinn, wie Augustin eingestand, weil das Leben, hier nicht weniger als überall schön, immer nur ausstand, und wie ungeheuer weit die brachen Felder, wo Augustin in den Furchen umherirrte, die riesenhafte unmenschliche Maschinen hinterlassen hatten, wo es keinen einzigen Baum gab, der Schutz bot vor der Sonne, vor dem Wind, der Kälte oder nur vor der allerschlimmsten Einsamkeit. Hier zu beginnen, wäre ganz verfehlt. (Wildfang)

Wahrscheinlich lässt sich mein Leben nicht besser beschreiben als mit diesen Worten:

Wir werden gebohren – unsere Eltern geben uns Brod und Kleid – unsere Lehrer drücken in unser Hirn Worte, Sprachen, Wissenschaften, – irgend ein artiges Mädchen drückt in unser Herz den Wunsch es eigen zu besitzen, es in unsere Arme als unser Eigenthum zu schliessen, wenn sich nicht gar ein thierisch Bedürfniß mit hineinmischt – es entsteht eine Lücke in der Republick wo wir hineinpassen – unsere Freunde, Verwandte, Gönner setzen an und stoßen uns glücklich hinein – wir drehen uns eine Zeitlang in diesem Platz herum wie die andern Räder uns stossen und treiben – bis wir wenns noch so ordentlich geht abgestumpft sind und zuletzt wieder einem neuen Rade Platz machen müssen – das ist, meine Herren! ohne Ruhm zu melden unsere Biographie – und was bleibt nun der Mensch noch anders als eine vorzüglichkünstliche kleine Maschine, die in die grosse Maschine, die wir Welt, Weltbegebenheiten, Weltläufte nennen besser oder schlimmer hineinpaßt.
(Jakob Lenz)

leydn

›Treffen junger Autoren‹ des Landes Rheinland-Pfalz; Arbeitsstipendium der Bundesakademie für kulturelle Bildung Wolfenbüttel; Seminarstipendium des Förderkreises deutscher Schriftsteller in Baden-Württemberg; Veröffentlichungen in Literaturzeitschriften (u.a. ›Die Feder‹, ›Dulzinea 13. Zeitschrift für Lyrik und Bild‹ und [Lautschrift] #3) und Anthologien (u.a. in: ›Destillate. Literaturlabor Wolfenbüttel 2007‹; Peter Grosz (Hrsg.), ›Die Zukunft beginnt mit Passfotos. Junge Autoren in Rheinland-Pfalz‹ (Edition Schrittmacher); Sigfrid Gauch, Andrea Steinbrecher und Alexander Wasner (Hrsg.), Im Rampenlicht verborgen. Jahrbuch für Literatur 16 (Frankfurt am Main 2010). Platzierung beim Münchner-Menü-Wettbewerb, shortlist beim Georg-K.-Glaser-Preis.

»Im Namen der Republik.« Kinderprogramm, Lesung, Theater, Literaturperformance, Clubabend | 7. Juni 2014 | DAI Heidelberg
http://imnamenderrepublik.wordpress.com
Zur Anthologie: http://imnamenderrepublik.wordpress.com/die-anthologie

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2 Kommentare zu “Paul Fehm präsentiert am 7. Juni im DAI Heidelberg: Hannes W. Leydn

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