Mascha – Teil 2.

Paul erwartete sie. Er stand in der kleinen Küche, hatte einen Dornfelder geöffnet, zwei Gläser auf den Tisch gestellt. Bestimmt hatte er schon Brot dort liegen, hatte etwas Käse aus dem Kühlschrank geholt. Das Zimmer, in dem er schlief, hatte bestimmt auch für Mascha noch eine Nische, für die wenigen Sachen, die in den Kartons lagen.

Wie hatte Paul nur so sicher sein können, dass sie den Text gleich las? Aber so war es unter Liebenden: dass man gleich verstand, ohne es aussprechen zu müssen. Es war dieser Blick gewesen, in den sie sich beide verfangen hatten. Sie musste keine Angst mehr haben, sie lächelte. Schneller ging sie nun und sicherer durch die Nacht. –

Er würde mit ihr ans Meer fahren. Wasser würde ihre Spuren füllen. Und die Möwen am Himmel! Sie war so leicht, dass sie fast zu schweben glaubte. Die Nacht war haltlos und wie weit geöffnet. Mascha musste sich näher zum Hügel hin halten. Paul war schon ungeduldig, er stand am Fenster und starrte hinaus.

Die leicht ansteigende Straße, die in den Wald hineinführte, musste es sein. Ihr Herz ging schneller, sie erinnerte sich an den lang vergangenen Abend, noch in ihrer Heimatstadt, wo sie zur Sommernachtsfeier an den Weiher gewandert waren. An die Feuer, deren Funken bis zu den Sternen flogen, und an die vielgeküsste, kalte Hand auf ihrem Mund.

»Du spinnst«, hatten später alle gesagt, bis ihr davon schwarz vor Augen wurde. Und sie zog weg und wanderte nie wieder mit an den Weiher im Wald. Sie hatte kein Netz, immer wieder, als sie zwischen den Bäumen umherirrte, kein Netz. Und das Licht der Schweinesonne stand hilflos über ihr. Eben hatte er ihr noch die Sterne erklärt. –

Mascha konnte im Schein der Laterne kaum lesen, was sie aufgeschrieben hatte. Es dauerte ein wenig, bis sie die Hausnummer entzifferte. Das Haus an der Biegung musste es sein. Warum sah es wie verlassen aus? Pauls Blick ging ja hinaus, da blendete Licht im Zimmer nur. Ob er sie schon sehen konnte? Vielleicht gab Paul ihr im Dunkeln bereits Zeichen, und wie zum Gruß, erhob sie nun ihrerseits die Hand.

Flammarion

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3 Kommentare zu “Mascha – Teil 2.

  1. Oooh ich fiebere mit! Kommt auch bald ein Teil 3?
    Oh mann und all diese Gefühle und Fantasien in die sie versinkt, herrlich!
    Du triffst es auf den Punkt und findest tolle Bilder und Szenen für all das was du sagen willst! Besser „verwoorden“ können (sagen die Niederländer, mir fällt grade das deutsche Wort nicht ein und ich bin zu faul für google translate, aber ich denk du checkst was ich meine) hätte ich’s auch nicht!
    ich find mich so wieder in Mascha, beinahe die gleiche Situation hatte ich sogar letzte Woche. Ich sag dir: nichts ist spannender und macht einen fliegender als ein Spontanbesuch bei der heimlichen Liebe mitten in der Nacht… :D

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