Niederlage.

Gestern ist es am Nachmittag, die Stunde gibt sich wie jede andere, ja sogar, mit einem Male erscheint die Sonne, aber noch verhalten, als zöge sie feierlich, von sehr fernen Eroberungen herkommend, in die Stadt ein, und die Menschen recken tatsächlich die Hälse und blinzeln, wie zum Zeichen des Erstaunens, den fliehenden Wolken nach. Man glaubt, Pferde auf dem Pflaster zu hören, so einzeln fällt der letzte Regen. 

Derweil aber zieht sich fernab der Fluss langsam und unnachlässig in sein Bett zurück, und gibt die Straßen und die Wiesen wieder frei. Es ist plötzlich wie ein Aufatmen im Tal: Glimpflicher als gehofft, ist man davongekommen. Man geht also, mit noch unsicher wirkenden Schritten, das preisgegebene Ufer lang. Wasser fällt ein in jeden Tritt und füllt im Rücken unbemerkt die Spur.

Zu dieser Stunde ist es, dass man drinnen in der Stadt, im Hof der Philosophen, auf und ab geht. Und es ist ein quälendes Knurren im Herzen, als kaute man an etwas, einem Gedanken vielleicht oder an einer bloß von fern beobachten Begebenheit, dass man sich sogar in den Unterarm beißen wollte, kurz vorm Gelenk, wo das Delta der Adern sich verläuft. So geht man auf dem Rasen und durchläuft wieder und wieder das Geviert.

»Bin ich nicht wahrhaft frei? Hat mich jemals einer von euch mit finsterer Miene gesehen? Meint doch jeder, der mich sieht, seinen eigenen König und Herrn zu sehen!« – In dieser Art, oder zumindest beginnt man das zu glauben, würde man jetzt gerne zu den Menschen reden und im Reden ihnen ins Gesicht leuchten. Doch findet man im rastlosen Blick umher niemanden, der das Gesicht trägt, das sich dazu schickte. Man sieht gleichgültig frohe Mienen, auf denen mit jedem Zug Licht und Schatten wechseln.

Und schließlich fällt es einen an: Wie es wäre, unter dem feuchten Gras jetzt begraben zu sein, mit dem Gesicht nach unten gerichtet, bis sich alles einmal dreht und wendet, bis nach der letzten Flut die Gebeine der Stadt, bis selbtst die Steine grün und morsch in sich zusammensinken, bis auch die Spitzen der Hügel ins Meer, das in den Himmel steigt, endlich gefallen wären. – Jetzt aber verbeißen sich bloß, im nachlassenden Triumph, die Zähne.

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