Vögel an Fäden.

Zum Lachen nahe stürzen die Schwalben über den Wasserlachen, jagen die vom Regen tauben Insekten über die Wiese. Die Luft ist feingesprenkelt und kalt. Droben dampfen Wald und Hügel, die nassen Kastanien duften schwer. Ich sitze mit L. auf einer Bank am Fluss. Links und rechts thronen auf seiner Schulter die Krähen. Am schwarzen Gefieder perlen die jetzt langsamer fallenden Tropfen ab, die Krähen kauern und betrachten gleichgültig den Schwarm noch immer unermüdlich stürzender Schwalben.

So sitze ich beim König der Krähen, Regenschirme eilen vorüber, der Weg ist mit dem jungen Blut der Kastanien gepolstert. Ein riesenhaftes Containerschiff kämpft wie im Halbschlaf gegen Strom und Nebel an. Niemand nimmt von ihm Notiz, nichts rührt sich auf den in sich gekehrten Mienen der Passanten. Bloß die Krähen beginnen mit den Fäden zu spielen, die am Rucksack befestigt sind.

Ich erzähle von der Fahrt auf dem großen See, von den Fischern und ihren Kormoranen, wie sie ihnen vorm Tauchen den Hals zuschnüren, wie sie mit großen Fischen im Schnabel zurückkehren. Dann erzähle ich von Friedrich II., der die Beizjagd als Übung für das Herrschen betrachtete, vom Rüttelflug der Falken, später vom Himmeln, wenn man den Fasan in die Lunge trifft und er ein letztes Mal senkrecht in die Höhe steigt. Irgendwann schweige ich, die Krähen haben die untergehende Sonne in den Flügen aufgefangen, da geht er davon, gehüllt in einen Mantel aus Regen.

Kisokaido54_Godo

 

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