Im Weinberg.

»Kennst du Kevin auch aus dem Tanzkurs?« Da sah ich auf: Ein blondes Mädchen wippte vor mir auf Ballerinas hin und her. »Ich bin Su.« »Ich bin ein Freund von B.« »Ich kenn keinen B.« »Und ich kenne keinen Kevin.« »Aber Kevin kennt doch jeder!« Sie war ganz schön sauer. – Da dachte ich: vielleicht war ich auf der falschen Party gelandet war (mal wieder).

Aber wen wunderts, war ich doch mit F., der unablässig über mich und M. reden wollte, zwei Stunden durch die Pampa gelaufen, mitten in der Nacht, über Stock und Stein, und keine Ahnung, wir fanden diesen verdammten Weinberg einfach nicht, wo B.s Party stattfinden sollte. Wir standen an den Weggabelungen rum und lauschten in die Dunkelheit. Eigentlich hatte ich ja gelernt, mich in der Wildnis einigermaßen zurecht zu finden, vielleicht hatte ich aber auch nur wenig Interesse daran, diese Party tatsächlich zu finden. »Es lag ihm alles am Weg.« – Dann endlich stand irgendwo ein Tor offen, es lief Musik, Leute liefen planlos durch die Nacht und lachten. Wir fanden Bier, setzten uns unter einen Baum und blieben erstmal sitzen.

Da wurde es mir wieder unheimlich. Einfach so da zu sein in einer lauwarmen Nacht, im Gras zu sitzen, der schwarze sternenlose Himmel oben, es könnten auch Köpfe den Hang hinunterrollen, vom Emmertsgrund hinab, wer hätte das schon gesehen in dieser Finsternis, die unablässig schwankende Schatten kreuzten. Dass diese Schatten betrunkenen Schwachsinn lallten, machte es nicht besser. Und F. war verschwunden und ich saß alleine unter dem Baum und versuchte mal wieder, mir einen Reim auf all das zu machen, was mit dem Leben eben war, und es gelang mir schlecht. Die Nacht war warm und ich fror.

Als das Mädchen mit den rosa Schuhen beleidigt abgezogen war – ich hatte es nur nachdenklich angesehen – suchte ich F., der gerade, noch immer völlig entkräftet, das vierte Bier abzog. Wir riefen B. an und endlich ging er an sein Handy. »Ich zieh bloß schnell ’ne Hose an, dann hol ich euch ab.« – Es muss dann eine ziemlich gute Party gewesen sein, wenigstens weiß ich nicht mehr, wie ich heimgekommen bin. Ich erinnere mich nur noch an den Regen, an den Geruch von nassem Gras, an den Schein des Lagerfeuers.

Und heute morgen krieg ich Kevin einfach nicht mehr aus dem Kopf: wie er mit goldenen Schuhen die blonde Ballerina Su beim Tanzen herumschleudert, in irgendeiner komischen Turnhalle (ich habe da ein sehr klares, verstörendes Bild vor Augen). Den Scheiss musste ich auch mitmachen, Papa sagte von wegen Etikette und so. Bei Tanzkursen denke ich immer an Tanzbären, mit einem Ring in der Nase. Anderseits lasse ich mich selbst oft genug an der Nase herumführen, denke ich da, nicht unbedingt mit schlechter Musik, aber mit anderen Dingen. M. gehört dazu, ein paar andere Personen und Dinge. – Vielleicht bin ich auch bloß arg verkatert.

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