Interregnum.

Am 20. Januar, es war mein Geburtstag, der neunundzwanzigste schon, ging ich übers Eis. Wir saßen so rum, G., M. und T. gaben mir einen nach dem anderen aus, meine Stimmung wurde nicht besser. Es musste wie verrückt geregnet haben, jedenfalls war alles mit einer zentimeterdicken Eisschicht überzogen, als wir irgendwann nach Mitternacht nach draußen gingen. Am Bismarckplatz angekommen, fuhr keine Bahn, kein Bus, kein Garnix. Das hieß, wir mussten nach Handschuhsheim laufen, es war scheißekalt. Wir rutschten mehr, als dass wir gingen. Ich konzentrierte mich sehr darauf, nicht zu fallen, und fiel doch. Dabei brach ich mir ein Stück des rechten Vorderzahns ab, meine Lippe platzte auf, das Blut wenigstens sah interessant aus im Schnee. Immerhin kümmerte sich M. um mich mit großer Sorge.

Der König ist tot. Mein nasser Kopf klopft auf die Brücke, geht verloren, kollert fast über den Abgrund, wer weiß, ob es für mein Fallen noch Neckar gibt. Im letzten Hemd hat man keinen Griff mehr, man muss alles so hinlassen und immer besser verschenken, wenn es ohnehin schon entrissen wird. Jetzt ist der singende Schädel in warmen Händen, der Eine oder der Andere hob ihn aus dem Rinnstein, riss ihn vom Brückenrand weg, in die Höhe. Setzt ihn auf einen Spieß und lasst ihn sprechen, ich türme in die Nacht und sprech‘ mit den Krähen, als spräche ich mit Möwen.

Den ganzen Weg über, den mich G. und T. mehr schoben, als dass ich gehen konnte, und M. meine Hand hielt, fingen sie wieder an, dass ich doch meine Texte und so weiter. Irgendwann war ich so fertig, dass ich versprach, darüber nachzudenken. Vielleicht habe ich den Verstand  jetzt endgültig verloren, aber jetzt sage ich: Es lebe der König. Ich eröffne einen Blog mit ein paar Texten, macht damit, was ihr wollt. Vielleicht bringt es ja was. Auch M. sagt immer, meistens kurz bevor sie meine Wohnung verlässt, es würde mir helfen, wenn ich mich mehr öffne. Und auch T. und G. lassen mich dann endlich ruhen. »Im Namen der Republik.«

Ihre Seite ist: https://www.facebook.com/pages/Es-lebe-der-König/472118606198000

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4 Kommentare zu “Interregnum.

  1. auf jeden fall kann in zeiten des bloggens jeder das „freilassen“, was er nicht anderweitig benötigt (texte für wettbewerbe – gut überlegen!) man kann rasch (?) ein interessiertes / internationales publikum finden UND (behaupte ich mal): mehr klicks bekommen als viele bücher leser haben. dazu noch feedback, wenn man wert darauf legt. alles in allem eine großartige möglichkeit – wenn es wirklich nur auf die kunst und nicht so sehr aufs verkaufen ankommt. aber welcher autor verkauft sich schon gut… ich bin gespannt auf deine texte! viel spaß + viel erfolg!

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  2. Hallo Paul Fehm,
    ja, solche Texte lesen anspruchsvolle Leser gerne (bin auch so eine) – sehr schön! Danke fürs Teilen in diesem Blog. Texte, wie diese, findet man in Blogs nicht so oft – leider.

    Gruß
    Nachtpoetin

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